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Sprachförderschule wird 20 Jahre alt
Die ganze Schule machte Theater

 

Von Joachim Röhrig, 23.06.08, 18:20h 

 

Kölner-Stadt-Anzeiger                                                                               Rhein-Erft » Elsdorf
Schülergeschichten

 

Die Michael-Ende-Sprachförderschule in Elsdorf-Berrendorf feierte ihren 20. Geburtstag. Schüler und das Kollegium brachten ein Theaterstück auf die Bühne.

 


 
Die kleinen Piraten von der Michael-Ende-Schule bereiten ihr nächstes Schurkenstück vor. Bild: Röhrig
 
 

Von über 30 Jungen und Mädchen, die als Sechsjährige in die Eingangsklassen der Michael-Ende-Sprachförderschule kommen, ist nach drei, vier Jahren meist nur noch ein rundes Dutzend übrig. Denn die meisten Kinder wechseln zwischendurch auf andere Schulen - allerdings nicht, weil es ihnen in Berrendorf nicht gefällt, sondern weil sie die speziellen Hilfen dort nicht länger benötigen und sie fortan „normale“ Schulen besuchen können.

 

 

So ist die hohe Zahl an „Abbrechern“ für Ingrid Mantl denn auch kein Makel - im Gegenteil: „Sie bestätigt uns den Erfolg unserer pädagogischen und therapeutischen Arbeit“, erklärt Schulleiterin, „möglichst viele Kinder fit für die Regelschule zu machen ist schließlich unser erklärtes Ziel.“ Und wer über lange Zeit hinweg Erfolg gehabt hat, der darf auch mal tüchtig feiern: Das 20-jährige Bestehen der „Michael-Ende-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache des Rhein-Erft-Kreises“, wie die Einrichtung sprachlich etwas sperrig offiziell heißt, bot der gesamten Schulgemeinde am Samstag Anlass, sich zu einem besonders großen und buntes Jubiläumsfest zu treffen.

 

Zum Programm gehörten neben Führungen durch das Gebäude an der Heppendorfer Straße die von einem stattlichen Chor angestimmte Erstaufführung des neuen Liedes „Unsere Schule heißt Michael Ende“, eine spannende Ausstellung der Kunstgruppe und Tänze der HipHop-AG. Das absolute Glanzlicht war jedoch ein groß aufgezogenes Theaterstücks. Im Stil von „Jim Knopf und die Wilde 13“ ging die ganze Schule der „Entführung des Kaisers“ auf den Grund. Wobei „ganze Schule“ durchaus wörtlich zu nehmen war. „Alle 123 Jungen und Mädchen unserer Schule, Eltern aus unserem rührigen Förderverein »Regenbogen«, alle 16 Kollegiumsmitglieder und sogar einer unserer Busfahrer sind eingebunden“, freut sich Ingrid Mantl. Eine tragende Rolle hatte Hausmeister Hermann-Josef Kaiser, denn er war derjenige, der bei der „Entführung des Kaisers“ gefährlichen Piraten in die Hände fiel und von Jim Knopf befreit werden musste.

 

Beeindruckend anzusehen war, mit wie viel Freude die Kinder nicht nur spielten und tanzten, sondern vor großem Publikum auch sprachen und sangen. Denn gerade wer mit einem Handicap zu kämpfen hat, braucht dazu eine gehörige Portion Mut - und nicht zuletzt diesen Mut zum Kommunizieren will die Förderschule ihren sechs- bis zehnjährigen Sprösslingen vermitteln. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass manche Kinder anfangs derart undeutlich sprechen, dass man sie schlichtweg nicht verstehen kann.

 

„Die Zahl der Stotterer ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen“, berichtet Ingrid Mantl, „heute haben die meisten unserer Schüler Schwierigkeiten bei der Lautbildung. Sie verwechseln ständig das »T« und das »K«, können bestimmte Laute trotz ansonsten durchschnittlicher Intelligenz gar nicht artikulieren oder haben Wortfindungsstörungen. Oft gehen die sprachlichen Defizite mit Motorik- oder Wahrnehmungsstörungen einher. Die Ursachen sind sehr vielfältig; nicht selten ist es einfach nur ein kurzzeitiger Sauerstoffmangel während der Geburt.“

 

Dem begegnet die Michael-Ende-Schule mit individueller Förderung durch speziell ausgebildete Lehrkräfte in kleinen Klassen mit zwölf bis höchstens 16 Schülern. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Inzwischen ist das Gebäude schon wieder zu klein: Zwei Klassen mussten nach Elsdorf ausgelagert werden, und fürs nächste Schuljahr liegen schon über 130 Anmeldungen vor. Das Raumproblem soll durch einen Ausbau des Turnhallendachs gelöst werden. „Wenn das klappt“, so Ingrid Mantl. „sind wir alle wunschlos glücklich hier in Berrendorf.“

 



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